Balvenie

Balvenie

Sonntag, 26. April 2015

John Matthews - Stadt in Angst

Es gibt ja zahlreiche Mythen und andere Aufhänger aus der Vergangenheit, die über viele Jahre hinweg immer wieder aufgewärmt werden und als literarische Vorlage dienen. Es ist eben so, dass sich gerade diese hervorragend dafür eignen, seine eigene Fiktion drum herum auszubauen und dem geneigten Leser anzubieten. „Jack the Ripper“, der niemals gefasste Mörder an Prostituierten von Whitechapel, ist so eine Figur, die inzwischen wohl von unendlich vielen Autoren immer wieder ins Spiel gebracht wird. Ich muss gestehen, dass ich nach dem, gefühlt, 20. „Jack the Ripper“-Roman im Vorninein recht skeptisch bin. Doch dieses Mal bin ich froh, dass ich den Historischen Kriminalroman „Stadt in Angst“ von John Matthews gelesen habe. Und ich bin wirklich begeistert.


Da gibt es natürlich die als „Kanonischen Fünf“ bezeichneten Morde in London in der zweiten Hälfte des Jahres 1888, die wohl ganz sicher dem Ripper zugeordnet werden können. Dafür sprechen zu viele Fakten und Gemeinsamkeiten in der Tatausführung, sowie der Art von Opfern. Darüber hinaus sind noch heute viele Fragen offen, so dass eben nicht geklärt ist, ob noch weitere Taten, und falls ja, welche, auf das Konto des Täters gehen. Nun, der Autor John Matthews lässt den Ripper über den Großen Teich ziehen und sein Unwesen in New York weiter treiben. Auf ebenso bestialische und grausame Art und Weise. Wieder sind es weibliche Prostituierte, die ihrem Geschäft in Hafennähe nachgehen, und wieder werden sie aufgeschlitzt. Organe werden aus dem Torsos heraus geschnitten und, wie sich herausstellt, mit einem Zeichen versehen. Dadurch lässt sich die Verbindung zu den Leichen von London herstellen.

Nun gehen die Ermittlungen natürlich von Scotland Yard zur New Yorker Polizei über, allerdings nicht, ohne das ein englischer Vertreter mit seinen im Zuge der Ermittlungen erworbenen Fähigkeiten und Kenntnissen hilfreich zur Seite stehen soll. Wer sind die Hauptprotagonisten? Detective Argenti, 42 Jahre alt, ein Sohn italienischer Einwanderer, der im Alter von sieben Jahren in die USA kam. Er ist verheiratet und Vater. Dazu gesellt sich der Kriminalanalytiker Finley Jameson, erst Anfang 30, mit sauber gestalteten Vollbart, studierter Mediziner und gebürtig aus London, der nun in New York ansässig und mit der Begleitung der laufenden Ermittlungen beauftragt ist. Stets in der Nähe von Jameson findet sich sein Assistent Lawrence. Korrupte Polizeibeamte, die in direkter Verbindung zur Unterwelt stehen, sind im Gesamtverlauf der Story obligatorisch.

John Matthews baut in „Stadt in Angst“ alle seine Charaktere behutsam auf und verteilt die Entwicklungen im Geiste des Lesers über das gesamte Buch. Schnell bemerkt Argenti, zu Beginn noch mit Argwohn gegenüber Jameson behaftet, dass man eine sehr ähnliche und bewegende Geschichte mit sich trägt. Beide sind sensibel. Es geht zunehmend um Freundschaft und gegenüber Lawrence um gegebene Versprechen, die es nach allen Möglichkeiten einzuhalten gilt. Da wird die Umsetzung des Plots, in dem sich der unbekannte Täter in nicht überraschender Weise mit persönlichen Briefen an die Presse und somit an die Ermittler wendet, doch eher zur Nebensache. Natürlich gibt er Rätsel auf, die es zu lösen gilt. Und natürlich möchte er gefunden werden. Das Ganze passt logisch zur Perversion der Taten.

Dem Autor gelingt es, die Atmosphäre der Zeit an den Leser zu bringen, dazu lässt er mit zunehmender Zeit eine gehörige Portion Action vom Stapel. Ein Stück Gesellschaftskritik, die sich schon damals abzeichnende Schere zwischen Arm und Reich, scheingt dabei immer mit. Das Ganze ergibt eine packende Szenerie, die es dem Leser sehr leicht macht, darin einzutauchen. Im Ergebnis ist „Stadt in Angst“ deswegen für mich ein spannender Roman auf bereits ausgefranster Bühne, nämlich dem „Jack the Ripper-Thema“, der Spaß macht und für Krimifans äußerst unterhaltsam ist. Dieses Buch macht Laune und löst die Hoffnung aus, dass diese Protagonisten weitere Fälle lösen werden. Denn auf der Rückseite des Buches steht „Der erste Fall von...“.

508 Seiten
ISBN: 3442204380
erschienen am 15. September 2014
Page & Turner
übersetzt von Andreas Jäger

Montag, 13. April 2015

Christina Baker Kline - Der Zug der Waisen

Die Geschichte über die "Orphan Trains" ist auch ein kaum beachtetes Stück Geschichte der USA. Kinderverschickung im 19. und 20. Jahrhundert mit der Eisenbahn, als über 200.000 elternlose Kinder von der Ostküste der USA in den mittleren Westen verbracht wurden. Voller Zuversicht auf neue Familien und neuer Heimat fanden sich viele Kinder als billige Arbeitskräfte wieder. Man könnte eigentlich auch sagen, dass sie zu Sklaven wurden.

In "Der Zug der Waisen" schildert die amerikanische Autorin Christina Baker Kline im Jahr 2011 die Geschehnisse um die 17-jährige Molly, die bei Pflegeeltern in Spruce Harbor, Maine, aufwächst. Molly hat schwarze Haare mit hellen Strähnen, schwarze Fingernägel und trägt klobige Kruzifixe und Ringe aus dem Trödelladen. Man nennt so etwas auch Gruftie. Wegen eines Diebstahls von einem Buch in der örtlichen Bibliothek hat Molly die Wahl zwischen Jugendknast und 50 Stunden sozialer Arbeit. Sie entscheidet sich für letzteres.
Als die 91-jährige Vivian ihren Dachboden entrümpeln will, wird Molly als helfende Hand organsiert. Vivian ist die geborene Niamh Power, die mit ihren Eltern aus Irland in die USA auswanderte. Eine Flucht aus der Armut, mit der Hoffnung auf ein besseres Leben. In New York verliert sie bei einem Brand ihre Familie und wird zur Waise und somit ein Fall für das "Orphan Train Movement". In der Folge erzählt Vivian ihr frühes Leben und verwandelt dabei ganz nebenbei Molly in eine pflichtbewusste Jugendliche. Es entsteht eine beeindruckende Freundschaft zwischen der alten Dame und der Halbwaise Molly.
Ohne Schnulz und Schmalz (ein bisschen Herzschmerz ist bei so etwas immer dabei) liest sich dieser Roman sehr flüssig. Nichts wurde unnötig in die Länge gezogen, der Handlungsstrang ist übersichtlich und somit gut nachvollziehbar. Die Geschichte zeigt, dass Waisenkinder zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA nichts anderes als eine Last für die Gesellschaft waren. Vielmehr beschäftigte das Land der Börsencrash im Jahr 1929, so dass für Menschlichkeit gegenüber Hilfsbedürftigen nicht allzu viel übrig blieb.
Der Roman zeigt aber auch, dass Kinder, die im Zuge der Kinderverschickung Glück hatten, ein ganzes Leben von der Angst begleitet wurden, Liebgewonnenes wieder zu verlieren. Und während sich viele Erwachsene ihre Kindheit zurück wünschten, war für die meisten Waisenkinder das Erwachsensein eine Erleichterung. Und noch ein weiteres wird sehr anschaulich dargestellt: Verluste im Leben sind nicht nur wahrscheinlich, sondern unvermeidbar.
Ein unterhaltsamer und lesenswerter Roman über ein Stück Geschichte der USA. Ein scheinbares Wohlfahrtsprogramm für Waisenkinder, welches in vielen Fällen leider nichts anderes als eine andere Form der Sklaverei gewesen ist.


350 Seiten
ISBN: 344231383X
erschienen am 10. November 2014
Goldmann Verlag



Samstag, 21. März 2015

Friedrich Ani - Die unterirdische Sonne

Ich mag die Süden-Romane und mir gefällt Friedrich Anis Stil, mit eher leisen Worten Spannung und Atmosphäre zu erzeugen. Ani schreibt neben seinen Geschichten über Tabor Süden, so wie hier, auch Jugendromane, und er lässt auch dabei wieder ein brisantes Thema aus dem realen Leben nicht aus. Das spurlose Verschwinden von Kindern ist oftmals verbunden mit erwachsenen, kranken Geistern. In drei Akten ist der Leser in „Die unterirdische Sonne“ Zeuge in einem Kellergefängnis auf einer Insel, in dem sich zunächst fünf Kinder bzw. Jugendliche im Alter zwischen 11 und 15 Jahren befinden, die von ihren Peinigern in unregelmäßigen Abständen einzeln aus ihrem Verlies geholt werden. Friedrich Ani beschreibt nicht die Grausamkeiten, die die Gefangenen über sich ergehen lassen müssen, sondern die geschilderten Handlungen bleiben bei den Jugendlichen in den Momenten, in denen sie sich selbst überlassen sind. Und dennoch bekommt man mit Fortgang der Geschichte eine Ahnung von dem, was in den oberen Räumlichkeiten passiert. Ein nach eigenen Angaben 18-jähriger junger Mann, der als „neue“ und zusätzliche Geisel zur "Kellergemeinschaft" stößt, rüttelt die übrigen auf grausame Weise wach, bringt sie in die Realität, nimmt ihnen auf der einen Seite Hoffnung und sämtliche Illusionen, löst aber auf der anderen Seite auch eine Art von Kraft des Entgegenstemmen aus. Wie es ausgeht, soll hier nicht verraten werden.



Man kann in der Tat lange darüber nachdenken, ob dieses Buch wirklich für Jugendliche ab 16 Jahre geeignet erscheint. Bedenkt man allerdings, in welche Situationen und Geschehnisse sich Kinder und Jugendliche heutzutage freiwillig begeben, dann halte ich die Altersbeschränkung für nahezu unbedenklich. Ganz im Gegenteil, denn Friedrich Ani rät in diesem Roman, ob gewollt oder nicht, zur Vorsicht. Ein Ratschlag auch für die Eltern. Ganz wichtig scheint dabei auch die Erkenntnis, dass es Opfer aus allen erdenklichen und sozialen Schichten gibt. Opfer, die im Zuge ihrer aussichtslosen Situation zunächst Sarkasmus und Ironie erlernen.

Ani zeichnet hier eine Art Psychogramm der Entführten. Jede Kopf-, Hand- und Fußbewegung zeigt die Emotionen der Kinder, ebenso wie die Veränderungen, die im mentalen Bereich zum völligen Einbruch des Lebenswillens führen können. Sie versetzen sich gedanklich in eine andere Welt, um wenigstens punktuell, für kurze Momente, wenigstens geistig dem Elend zu entkommen. Schließlich und endlich sollte nach dem Zuklappen von „Die unterirdische Sonne“ allen Eltern und Kindern klar sein, dass Vermisstenanzeige bei der Polizei, Fahndungsplakate und jede weitere Art der Öffentlichkeitsfahndung nicht ausreichend sind, um solche Verbrechen zukünftig zu verhindern.

Dieses Buch verlangt zeitweise ein sehr aufmerksames Lesen. Denn die Veränderung der jeweiligen Charaktere sind im Gesamtbild sehr wichtig. Jeder der Protagonisten liefert auf seine eigene Art und Weise ein verstörendes Bild ab, und da ist die Zuordnung der jeweiligen Sätze und Stimmungen in den Gesprächen unabdingbar. Ist man mit dem, zu keiner Zeit vorhersehbaren Buch durch, bleibt man nachdenklich, vielleicht sogar etwas schockiert, zurück. Mit dieser Aussagekraft ist Friedrich Ani ein sehr wichtiges Buch gelungen!


334 Seiten
ISBN-10: 3570162613
ISBN-13: 978-3570162613
erschienen am 24. Februar 2014
Verlag: cbt


Freitag, 6. März 2015

Ransom Riggs - Die Stadt der besonderen Kinder

Die Geschichte der "Besonderen Kinder" von Ransom Riggs geht also weiter. Die "Stadt der besonderen Kinder" beginnt da, wo der erste Teil aufgehört hat. Den Kindern gelingt in kleinen Booten die Flucht von der Insel Cairnholm. Jacob hat sich dazu entschlossen, bei der Gruppe zu bleiben. Mehrere große Probleme schleppen sie mit sich. Sie wissen nicht wohin, sie verfügen über keine Landkarte, die Nahrung ist knapp und ihre Headmistress, Miss Peregrine, wurde in einen Vogel verwandelt. Einzige Chance einer Befreiung ist das Finden einer anderen Mistress, die jedoch alle von den sog. Wights gefangen oder getötet wurden. Wir erinnern uns: Jede Zeitschleife hat seine eigene Mistress ("Ymbryne"). Vielleicht gibt es einen Ort, an den die Hollowgasts und Wights noch nicht gelangt sind. Als sie auf den Pfeiferauchenden Hund Addison treffen, erfahren die Kinder, dass die Mistress Miss Wren aus eigenen Stücken ausgezogen ist, um zu retten, was zu retten ist, und schnell wird klar, dass sie die Einzige ist, die Miss Peregrine noch helfen kann. Für die Suche bleibt Jacob und seinen Freunden nicht viel Zeit, die Spur führt nach London in den Kriegswirren des Jahres 1940. Dabei schlittern die besonderen Kinder auf ihrer Abenteuerreise durch zahlreiche Zeitschleifen, jede mit ihren eigenen Kreaturen und Welten.



Auch in der Fortsetzung überleben die Kinder teilweise nur durch ihre Besonderheit und selbst Jacob scheint einer von ihnen zu werden. "Die Stadt der besonderen Kinder" ist sicherlich ein Jugendroman, der aber auch Erwachsenen großes Lesevergnügen bieten kann. Es handelt sich zweifellos um eine Art Fantasy, ohne Zwerge, Drachen und Elfen. Dafür hat Ransom Riggs seine ganz eigenen Guten und Bösen geschaffen, in einer Welt, die das eigene Vorstellungsvermögen fordert. Die Geschichte über Freundschaft und gegenseitige Unterstützung, auch über Mut und Furcht, liest sich flüssig mit einer rasanten Handlung.

Es ist für das Gesamtverständnis hilfreich, wenn man den Einstieg ins Abenteuer, "Die Insel der besonderen Kinder" aus dem Jahr 2011, gelesen hat. Einige Geheimnisse und Hintergründe über die Existenz der Besonderen und die Funktionalität der Zeitschleifen, die im Erstling offen geblieben sind, werden in der Fortführung gelüftet. Der Wechsel vom PAN-Verlag zu Knaur hat der schönen Aufmachung der Fortsetzung nicht geschadet. Das Cover ist erneut sehr ansprechend und einladend, erneut gibt es zahlreiche historisch anmutende Bilder, die das Geschehen ergänzend verdeutlichen (Ransom Riggs hat die Storyline gekonnt um die Bilder herum aufgebaut). Gegen Ende öffnet sich eine immer größere Welt, die dem Autor erneut die Möglichkeit lässt, dass Abenteuer der besonderen Kinder fortzuschreiben. Gute Unterhaltung für Jugendliche und Erwachsene sowie überdurchschnittliche Fantasy.

479 Seiten
ISBN-10: 3426653583
ISBN-13: 978-3426653586
erschienen am 02. Februar 2015
übersetzt von Silvia Kinkel

Knaur Verlag

Montag, 16. Februar 2015

Frank Schätzing - Breaking News

Das Thema, welches Frank Schätzing in den Mittelpunkt seines aktuellen Romans "Breaking News" gestellt hat, ist denkbar gut dazu geeignet, sich alle fünf Finger an einer Hand zu verbrennen. Die Entstehung des Staates Israel und der damit verbundene, bis heute andauernde Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern, wird von Schätzing mit einem äußerst raffinierten Plot verbunden. Wahrscheinlich war es auch dem Autor klar, dass das Geschriebene seziert werden würde. Der Autor dürfte die Prüfung bestanden haben. Natürlich gibt es weitere, wohl auch andere Ansichten, weitere Fakten, Meinungen und Sichtweisen. Um das alles aufzunehmen, hätten wohl selbst die knapp 1.000 Seiten zwischen den beiden Buchklappen nicht mehr ausgereicht.

In "Breaking News" hangeln wir uns an Hand einer Tragik zweier befreundeter Familien im jüdisch-israelischen Staat durch das Zeitgeschehen. Bei einem der Söhne handelt es sich um Arik Scheinermann, in seinem späteren Leben niemand anderes als Ariel Scharon, erst Soldat, später Politiker. Die anderen werden Ökonom oder Rabbi. Die Geschichte beginnt nach Zerschlagung des osmanischen Reiches und als die Briten im Gebiet das Sagen hatten. Die Briten gelangten im Zuge der sog. "Belfour Declaration" zu der Überzeugung, dass Juden und Araber gemeinsam auf einem Staatsgebiet leben können, ohne sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen. Als Daniel Ben-Gurion im Jahr 1948 in Tel Aviv die Unabhängigkeit des Staates Israel ausruft, erklären die bereits existierenden Staaten Lybien, Ägypten, Jordanien, Syrien und Irak den Krieg an Israel, wo hingegen die USA und die damalige Sowjetunion Israel als Staat anerkennen.
Den anderen Part im Roman übernimmt Tom Hagen, der als Krisenreporter zunächst in Afghanistan für ein renommiertes Hamburger Magazin unterwegs ist. Auf der Jagd nach einer lukrativen Story unterläuft ihm, auch aufgrund Übermuts, ein Fehler, bei dem zahlreiche Menschen zu Schaden kommen. In der Folge verliert er seinen Job und Einkommen. Anchließend versucht er sich für ein eher drittklassiges Onlinemagazin, was an den Theken in Lybien und Syrien misslingt. Als ein alter Weggefährte ihn nach Tel Aviv beordert, kommt es zu einem Ankauf von zwei CDs mit brisantem Inhalt über den israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Bet. Verbunden mit einer Notlüge entwickelt sich ein Plot, an dessen Ende man gut und gerne glauben könnte, dass Ariel Scharon gezielt ermordet wurde. Und eine israelische Untergrundorganisation beschwört die Zerstörung des Heiligsten.
In seinem eigenen Stil überfordert Frank Schätzing den Leser nicht, sondern bindet. Wer das Buch gelesen hat, dürfte die Israel-Problematik wenigstens im Ansatz verstanden haben. Es bleiben Fragen, natürlich. Auf die liefert der Autor keine verbindliche Lösungen, aber nachvollziehbare Erklärungen. Die drängendste Frage bleibt jedoch offen: "Was nützt es, wenn Politiker vernünftig werden, sich die Religion aber gegen die Vernunft wehrt?". Beeindruckend und sehr lesensw


ISBN-10: 346204527X
ISBN-13: 978-3462045277
965 Seiten
erschienen am 6. März 2014

Kiepenheuer & Witsch

Sonntag, 1. Februar 2015

Arnaldur Indridason - Nacht über Reykjavik (Island-Krimi)

Erstaunt war ich bei der Lektüre von "Nacht über Reykjavik" bereits nach 50 Seiten. Spätestens da war klar, dass eben nicht Marien Briem im Mittelpunkt der Handlungen steht, sondern ein junger, neugieriger, aufstrebender und nicht so mürrisch wirkender Erlendur Sveinsson im Alter von 28 Jahren. Der lernt seinen neuen Einsatzraum, die Stadt Reykjavik mit seinen ca. 100.000 Einwohnern, in einer schwarzen Maria, vorzugsweise während der Nachtschicht kennen. Dann ist er auf Streife, nimmt Verkehrsunfälle auf, schlichtet Familienstreitigkeiten (heute nennt man das "Gewalt in engen sozialen Beziehungen“) und dreht ruhestörende Partys leiser.

Als drei Jugendliche in einem Vorstadttümpel einen ertrunkenen Obdachlosen finden, und zeitgleich eine gut situierte, goldschmuckliebende Dame nach einem Kneipenbesuch nicht mehr nach Hause kommt, da wächst im jungen Erlendur die Neugier. Die Neugier, die ihn später zum Ermittler werden lässt. Da der Tote für Erlendur kein Unbekannter ist, ermittelt er auf eigene Faust und dringt nachträglich in die Welt des Stadtstreichers ein. Nein, er ermittelt nicht parallel zur Kripo. Denn die hat beide Fälle bereits ad acta gelegt.
Am Ende von "Nacht über Reykjavik" bin ich ratlos. Weil ich nicht weiß, ob der Autor zukünftig Erlendurs Karriere von hinten aufzäumt oder nicht doch Marian Briem verstärkt das Zepter in die Hand nehmen wird. Könnte sein, dass sich selbst Indridason darüber noch nicht einig ist. Der Plot in diesem neuen Roman ist routiniert geschnürt. Bis zum Schluss ist offen, wie sämtliche Erkenntnisse zusammen gehören, ein zunächst unübersichtliches Puzzle setzt sich recht glaubwürdig zusammen. Ein bisschen Gesellschaftskritik schwingt bei Indridason oft mit. Es ist kein Wunder, dass manch Obdachloser aus guten Gründen lieber am (Stadt-)Rand der Gesellschaft sein Dasein fristen möchte. Für Konzerte von Slade und Procol Harum fehlt das Geld, Shirley MacLaine ist im Kino nicht für alle sichtbar, American Fastfood dringt selbst in die Mitte der Gesellschaft sehr langsam voran und während sich die Volksdroge Alkohol bereits etabliert hat, ist Boxen in Island noch verboten.

Ohne "Splash" und sprachlichem Brimborium, in gewohnt ruhiger Weise, zeigt der Autor auch dieses Mal wieder scheußliche Schicksale auf. Und die haben in "Nacht über Reykjavik" ohne Zweifel wieder ihren Ursprung in der Gesellschaft. Und er stellt Fragen: Ist Obdachlosigkeit auch eine Art von Bestrafung für Begangenes? Dabei war es ein Unfall, der das Leben des Verstorbenen so nachhaltig veränderte. Ein typischer Island-Krimi, auch dieses Mal wieder packend und dicht erzählt. Eine Geschichte, die sich somit nahtlos in das Gesamtwerk des Autors einfügt.


ISBN-10: 3431039073
ISBN-13: 978-3431039078
382 Seiten
erschienen am 18. Dezember 2014
übersetzt von Coletta Bürling

Bastei Lübbe Verlag

Sonntag, 4. Januar 2015

Dave Eggers - Der Circle

Das Thema "Soziale Netzwerke" betrifft inzwischen fast alle Altersklassen und unterscheidet sich bei den Benutzern nur im Bereitstellen von persönlichen Informationen für die Öffentlichkeit oder für einen bestimmbaren Personenkreis, nicht aber für die Betreiber, also die Konzerne, die uns offensichtlich völlig selbstlos ihre Portale zur Verfügung stellen, auf denen sich die User austoben und im Sinne der unterschiedlichsten und vielfältigsten Themen austauschen und selbst darstellen. Kostet in den allermeisten Fällen nichts, finanziert wird das alles durch Werbung oder anderweitige Serviceleistungen, die man, selbstverständlich gegen Aufpreis, dazu buchen kann. So weit, so gut, diese Geschäftsidee ist bei oberflächlicher Betrachtungsweise simpel und für jeden Angemeldeten nachvollziehbar und einleuchtend. Inzwischen haben wohl selbst die leichtsinnigsten Internetnutzer begriffen, dass der größte Lohn für die inzwischen gigantischen Konzerne aus der Bereitstellung von Daten, seien es bloße Fakten und Zahlen, aber auch Verhaltensweisen zu allen erdenklichen Interessen und Vorlieben, besteht. Hungrige Datenkraken, die den Menschen so gläsern wie möglich machen, um Profite zu steigern und so in der Wirtschaft, aber auch in der Politik, mehr und mehr Einfluss zu nehmen. Jedes einzelne Unternehmen wird sein Ziel alleine wohl nicht erreichen, doch wenn Facebook Milliarden von Dollar für das Nachrichtenaustauschprogramm WhatsApp hinblättert, wenn Google sich Youtube einverleibt und darüber hinaus mittels Android große Teile des Handymarktes beherrscht, wenn Google am liebsten überall auf der Welt Kameras aufstellt, wenn Amazon nicht mehr nur aus einer Verkaufsplattform besteht, sondern mit Prime Instant Video große Teile der „Video on Demand-Nutzer“ abgreift und mit seinen eBooks auf einem Kindle nicht nur weiß, welche Bücher wir lesen, sondern auch, auf welcher Seite wir das Buch, aus welchen Gründen auch immer, endgültig weg gelegt haben, dann herrscht eigentlich schon jetzt Alarmstufe Rot. Die Steigerung von alle dem beschreibt der Autor Dave Eggers in seinem Roman "Der Circle".

Was passiert, wenn sich die genannten Konzerne gegenseitig schlucken oder freiwillig vereinen? Können wir uns dann wirklich auf eine EU-Gesetzgebung, die eine Monopolstellung nicht erlaubt, berufen? Glauben wir wirklich daran, dass uns die Politik vor solchen Szenarien ernsthaft schützen kann? Halten wir es für möglich, dass strengere Datenschutzrichtlinien ausreichen, um ein gezieltes Einsetzen der vorhandenen Daten über uns, gegen uns, zu welchen Zwecken auch immer, zu verhindern?
Die 24-jährige Mae heuert in "Der Circle" mit Hilfe ihrer besten Freundin Annie in genau so einem Unternehmen in Nordkalifornien an, nachdem sie zuvor ein Jahr beim örtlichen Strom- und Gasversorger gearbeitet hat. Auf dem Firmengelände stehen, wie selbstverständlich, allen Beschäftigten Caféterias aus Glas, Bibliotheken, Ärzte, Wohnheime etc. kostenlos zur Verfügung, alle Mitarbeiter sind nett und freundlich, dazu hoch motiviert. An der Spitze des Konzerns stehen drei sog. Weise, die sich in wiederkehrenden Abständen mit modernster Technik ihren Angestellten widmen. Der Circle scheint ein Hort der Menschlichkeit und eine echte Community zu sein, eine Firma, die sich bis zum Zahnversicherungsschutz um alles und jeden kümmert.
Voraussetzung für all dies ist jedoch, dass sich die "Circler" bedingungslos den Regeln der Community unterwerfen und diese niemals in Frage stellen. Ziel ist die völlige Transparenz jedes Menschen für alle Interessierten, zunächst intern und später extern. Der unternehmensinterne Stream wird vom Inner- zum Outercircle. Ungerechtfertigtes Handeln soll mit totaler Überwachung präventiv verhindert werden, das alles im Sinne der Menschenrechtsaktivisten. Das Motto: "Sie wissen nicht, dass wir sie sehen, aber wir sehen sie" und "Transparenz bringt Seelenfrieden". Community und Kommunikation haben die gleiche lateinische Wurzel: "Communis" bedeutet öffentlich, von allen geteilt. Was in die Cloud geladen wird, ist auf immer und ewig für alle zum Teilen bereit. Irgendwann könnte es dann Circle-Money für alle Online-Käufe geben und die Kartellaufsicht des Senats stößt voraussichtlich an seine Grenzen. Denn "Der Circle" baut sich ein Monopol, der Einfluss auf alle politischen Aktivitäten und Absichten hat.
Der Autor hat hier kein Sachbuch geschrieben, obwohl es als solches sicherlich nicht weniger brisant wäre. Ganz im Gegenteil. Denn was im Buch an manchen Stellen noch als fiktiv und eher futuristisch zu sein scheint, ist in Ansätzen bereits jetzt in unserer Gesellschaft zu erkennen. Wer nicht mitmacht, ist nicht trendy. Nach dem Lesen tauchen schwerwiegende und nachhaltige Fragen auf. Wird es möglich sein, dass die großen Player bald imstande sind, ganze Staatensysteme zu verändern? Sollte man die Piratenpartei und deren programmatischen Inhalte nicht wesentlich kritischer sehen? Haben Staaten wie China in gewisser Weise nicht doch recht, wenn sie Teile des Internets hoheitlich sperren? Das alles ist mit ein bis zwei Sätzen sicherlich nicht zu beantworten, aber ganz sicher muss darüber immer und immer wieder nachgedacht und intensiv diskutiert werden. Wenn alles transparent ist, dann gibt es auch keine geheimen Wahlen und somit auch keine Demokratie mehr. "Der Circle" möchte mit Social Media eine sicherere und vernünftigere Welt schaffen. Wenn das mal gut geht!
Es handelt sich bei diesem Buch um einen Roman, den ich in die Rubrik "Gesellschaft" einordne. In seiner Struktur und in seinem Aufbau stößt der Leser schnell an enge Grenzen. Keine Nebenschauplätze und die Charaktere werden schlicht und ohne besondere Wesensmerkmale beschrieben. Auch der vermeintliche Plot kann getrost als bieder und wenig aufreibend bezeichnet werden. Aber darauf kommt es hier nicht an. Denis Scheck hat Recht. Dieses Buch gehört wirklich spätestens jedem 14-jährigen unter den Weihnachtsbaum gelegt. Und ich überlege mir die nächsten Tage, wie lange es wohl noch dauern wird, bis ich meinen Facebook-Account lösche.


ISBN-10: 3462046756
ISBN-13: 978-3462046755
560 Seiten
erschienen am 14. August 2014
übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Kiepenheuer und Witsch Verlag

Dienstag, 3. Juni 2014

Bernard Minier - Kindertotenlied

Ein 90-jähriger, ehemaliger Professor an einer Eliteuniversität im französischen Marsac beobachtet auf einem Nachbargrundstück, wie in einem Swimmingpool zahlreiche Puppen treiben und am Beckenrand ein junger Mann reglos sitzt. Die Terrassentür steht offen und aus dem Wohnraum erklingt die Musik von dem österreichischen Komponisten Gustav Mahler. Wenig später erhält Martin Servaz von der Kripo Toulouse einen Anruf von seiner Ex-Geliebten. Ihr Sohn Hugo sei von der Polizei verhaftet worden. Am Tatort findet die Polizei in der Badewanne die tote und gefesselte Claire Diemar, eine 32-jährige Lehrerin. Im Mund der Getöteten steckt eine Taschenlampe, die den Mundraum ausleuchtet. Und mit der Musik von Gustav Mahler drängt sich Martin Servaz ein furchtbarer Verdacht auf. Ist der Psychopath und Mörder Julian Hirtmann wieder da und setzt seine Serie von Verbrechen fort?

Von Beginn ist der zweite Roman von Bernard Minier sehr atmosphärisch, die Stimmung ist düster, dicht, beklemmend und geladen, es knistert. Es herrscht stets starker Regen, Blitz und Donner liegen in der Luft, es ist schwül und heiß. Es findet zur Zeit der Handlung die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika statt und die französische Nationalmannschaft macht mehr durch skandalöse Ereignisse anstatt guter sportlicher Leistungen auf sich aufmerksam. Minier erzeugt Spannung. Er gibt dem Leser Einblicke in elitäre, jugendliche Kreise, beschreibt einen aufstrebenden, moralisch weit unten anzusetzenden Politiker und leistet so auch ein Stück Gesellschaftsbeschreibung und -kritik.
Im Vordergrund steht aber ein ausgeklügelter Plott, bei dem es sehr lange dauert, bis der Leser ahnt, die Lösung des Falles zu erkennen. Zahlreiche Drehungen und Windungen im Handlungsstrang machen Lust darauf, immer weiter zu lesen. Da stört es kaum, dass auch übliche Klischees eingebracht werden, wie z.B. einen ermittelnden Polizisten, der rechtlich nicht immer sauber vorgeht und somit interne Ermittlungen gegen sich auf den Plan ruft, dessen unbeirrt er die Aufklärung des Falles ohne Rücksicht auf Verluste weiter betreibt.
Alles in allem ein spannender und sehr lesenswerter Psychothriller. Da stören immer wieder auffindbare Floskeln wie "Wenn es der, der sitzt, nicht war, dann läuft da draußen gerade ein Irrer 'rum" oder ein platter Satz wie "sollte die Information heraus kommen, ginge diese schneller an die Presse als Usain Bolt über 100 Meter benötigt" kaum. Letzterer ist vielleicht auch nur eine schlechte Übersetzung ins Deutsche.

ISBN-10: 3226199807 
ISBN-13: 978-3426199800  
656 Seiten
erschienen am 03. Februar 2014
übersetzt von Thorsten Schmid
Droemer Verlag

Freitag, 18. April 2014

Kargl - Flake #3

Fast jedes „wirkliche“ Pfeifen- und Tabakfachgeschäft bietet Hausmarken an. Das suggeriert, dass man den Genusskunden in den aller meisten Fällen ernst nimmt. Bei Kargls in Recklinghausen ist das wohl so. Sehr erfreulich, dass sich in der naturnahen Nische ein Virginia-Flake findet. Lt. Beschreibung „mit zarten Zitrusanklängen, köstlich verfeinert mit einem milden Aroma von Waldhonig und reifer Orange“.

Nicht nur das Aussehen, sondern auch die angekündigten Zitrusnötchen erinnern an den „Golden Sliced“ von Orlik. Ein herrlicher, ganzer und mittelbrauner Strang befindet sich in der Dose. Zuletzt hatte ich so etwas bei der „Nr. 300“ von Kärnbach in Berlin bekommen. Ob es sich jetzt dabei um ein und denselben Tabak handelt, kann ich nicht mehr feststellen. Das weiß wohl nur der Hersteller.


Mit der bekannten Stopfmethode geht es los, aus der Dose kommen heuige Düfte und ein klein wenig Säure. Schon mit den ersten Zügen bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es sich ausschließlich um Virginia-Tabake handelt. Neben der nicht zu aufdringlichen Süße verspüre ich ein Kribbeln auf der Zunge, leichtes piecken, mit einer ganz leichten Säuerlichkeit. Ähnlich wie beim „Golden Sliced“ etwas Perique? Ich weiß es nicht, aber ich würde drauf wetten. Falls nicht, dann ist es die Kunst des Tabakmeisters. Waldhonig und Orange? Nun, ich kann es erahnen, wenn ich die Pfeife erneut anzünde bzw. sanft nippe. Ohnehin fordert Kargls „Flake 3“ Aufmerksamkeit und verhaltenes Ziehen.

Wenn man das beherzt, dann bekommt man einen sehr soliden und mundigen, ganz, ganz leicht aromatischen Virginia-Fake, der den Gaumen schmeichelt und den Flakefan begeistert. Kein ganz leichter Bursche... das geht etwas über „mittelstark“ hinaus. Rauchen tue ich diesen Flake aus eher kleineren Köpfen und stets mit Filter. Qualitativ absolut hochwertig. Und wer zu Kargl hinein geht, ein Freund naturnaher Flakes ist, der zur Abrundung ein klitzekleines Aroma zulässt, der nimmt sich mindestens ein Döschen mit nach Hause. Klare Empfehlung... auch für den „Golden Sliced“-Raucher!


Samstag, 12. April 2014

Kargl - Hausmarke #13

Tief im Westen, nämlich in Recklinghausen, wird bei Pfeifen Kargl Genuss groß geschrieben. Vater Karl und Sohn Christopher haben sich seit ewig den Wünschen ihrer Kunden verschrieben. Man würdigt die Tradition, aber man geht auch mit der Zeit. Wer nicht vor Ort einkehren kann, der stöbert dann im ebay-Shop des Hauses. Es ist nur die logische Folge, dass Pfeifen Kargl auch eine Menge an Hausmischungen bereit hält. Die meisten dürften von Kohlhase & Kopp hergestellt sein. Da gibt es inzwischen eine großartige Range, über die man sich zunächst über einen professionell gestalteten Flyer informieren kann. Und man sieht schnell, dass für jede Geschmacksvorliebe etwas dabei ist.


Die „#13“ ist laut Beschreibung „ein mittelkräftiger Virginia und Broken Virginia mit einer Zitrusnote, angenehm abgerundet durch ein mild-liebliches Honig-Aroma“. Auch wenn die gebrochenen Flakestückchen sensationell in der Unterzahl sind, darf man der Prosa vollkommen zustimmen. Der Duft des überwiegend gerissenen Blattguts ist virginia-typisch heuig und dezent säuerlich. Das Tabakbild zeigt einen zumeist mittelbraunen Tabak, durchsetzt mit ein paar helleren Streifen. Perfekt konditioniert ist die Pfeife leicht gestopft. Es ist eine naturnahe Mischung, die genannte Zitrusnote kann man getrost als obligatorisch bezeichnen und das (angeblich) hinzu gefügte Honigaroma kann man insofern vernachlässigen, als es vermutlich eher zur Stabilisierung des Gesamtcharakters dient. Allerdings ist der Charakter stimmig. Wenn der Kopf nicht zu klein ist, dann öffnen sich feinste Virginia-Aromen. Mild, süßlich, sanft zur Zunge und Gaumen. Wer hingegen wie ein Ochse an der Pfeife zieht, bekommt halt heiße Finger, obwohl der Geschmack auch dann nicht einbricht. Von daher ist die „#13“ auch einsteigerfreundlich.

Und so raucht sich eine Füllung völlig unkompliziert runter, das Ganze in der Tat mittelstark, gleichbleibend und kontinuierlich im Geschmack, bis im Boden nichts als dunkelgraue Asche übrig bleibt. 18,10,-- EURO sind es, die man derzeit für 100 g auf den Tisch legt. Die sind gut angelegt, für einen unaufgeregten, aber qualitativ mehr als soliden Virginia. Insbesondere für den Einsteiger naturnaher Tabakmischungen, fern ab von künstlichen Aromen, zu empfehlen.