Balvenie

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Freitag, 27. Januar 2012

Samuel Gawith - Kendal Cream Deluxe Flake

Die Lakelands, im Nord-Westen von England, Verwaltungssitz in Kendal. Das ist die Heimat von Samuel Gawith, eine Tabakproduktionsfirma mit langer Geschichte seit 1792 und traditionellen Tabaken. Nicht so alt ist der „Kendal Cream Deluxe Flake“, ein leicht aromatisierter Virginia-Flake. Es gibt eben Momente, da mag man nicht ganz so viel Body, will aber auf die sonst so geliebten Nuancen des Tabaks nicht verzichten. 

 
Öffnet man die  Dose, erfährt man eigentlich nichts anderes, als man von Samuel Gawith gewohnt ist. Ein leicht feuchter Flake-Tabak, dieses Mal hell- bis mittelbraun, recht dünn geschnitten. Ein Virginia, ansehnlich und lecker zubereitet. Ein tabakechter Duft, allerdings mit einem dezent feststellbarem Vanille- und Caramelflavour? Egal wie intensiv der jeweilige Pfeifenraucher das Flavour wahrnimmt, es ist vorhanden, etwas süßlich. 

Nach der vollkommen unkomplizierten Handhabung zum Befüllen der Pfeife geht es schnell los. Der Tabak brennt leicht und gleichmäßig an. Ich rate dazu, den Tabak nicht zu zerbröseln. Virginias rauchen sich leicht heiß, der „Kendal Cream“ besonders schnell. Nach dem Anzünden entwickelt sich eine süßliche und schmeichelnde Raumnote, doch wird schnell klar, dass dies kein Tabak für Aromatenfreaks ist. Und auch nur dann, wenn man sehr langsam raucht, kann man die hinzu gegebenen Aromastoffe genießen. Die  Aufschrift auf der Dose „Full Flavoured Tobacco“ halte ich für übertrieben, diese Ankündigung verspricht mir eigentlich etwas ganz anderes.


Der Abbrand ist über jeden Zweifel erhaben, helle graue Asche senkt sich zu Boden. Zum Ende hin stelle ich kein Flavour mehr fest, und genau da offenbart dieser Flake seine Schwäche. Er schmeckt zwar tabakecht, so intensiv hätte ich das nicht erwartet, er bleibt auch mild, die leichte bis mittlere Stärke hält sich ebenfalls. Aber er bringt für mich nicht die erforderliche Natursüße mit. Und das, obwohl er seinem Erscheinungsbild nach eine gehörige Portion an Zucker bildet. Deswegen auch der Hinweis: Dieser Tabak zeigt sehr schnell weiß-graue Schlieren auf der Oberfläche, Zuckerkristalle und KEIN Schimmel, der möglicherweise von der Feuchtigkeit herrührt. 

Der „Kendal Cream Deluxe Flake“ ist ein Tabak, den ich akzeptiere, der bis zum Verlust des feststellbaren Flavours auch Spaß macht, dann aber abbaut und in die Belanglosigkeit abdriftet. Und da mit dem „Full Virgina Flake“ und dem „Best Brown Flake“ aus selbigem Hause zwei echte Highlights zu haben sind, bleibt dieser in meiner Tabakbar auf der Strecke. Also: Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut.


Samstag, 21. Januar 2012

Kohlhase & Kopp – Honoré u.a.

Ein Tabakreview, bei dem ich mich kurz halten kann. Denn der „Honoré“ ist die Alternative, wenn der „Marlin Flake“ von Ratthray aus und für den Moment nicht erreichbar ist. Die Frage ist nur: Wann passiert das? Ist doch der „Honoré“ nun wirklich nicht in jedem Tabakgeschäft um die Ecke zu bekommen.


Sehr natürliche, leicht fruchtige Duftnoten entströmen der schwarzen Dose. Der Tabak liegt an einem Strang zusammen gerollt in seinem Behältnis, vielleicht etwas feucht. Portion abreißen, entsprechend knicken und falten, evtl. etwas aufzwirbeln und los geht die Fahrt mit dem „Honoré“-Express. Die leichte Handhabung entspricht meiner Vorstellung von einem Flake für unterwegs. In der Hauptsache der naturbelassenen Richtung zugewandten Seite erlebt man einen tadellosen und gemütlichen Abbrand. Aber da sind schon auch ein paar Aromen vorhanden, und um die aus zu reizen sollte man diesen Tabak ebenfalls nicht nur in kleinen, sondern durchaus auch mal in mittel großen Köpfen probieren.

 

So mancher behauptet, dass der „Honoré“ dem „Marlin Flake“ entspricht, der Hersteller ist derselbe. Das kann man glauben oder man sucht nach dem kleinen Unterschied, den der Kenner immer für sich finden möchte. Klar, sonst gäbe es auch nichts zu reden!

Der „Honoré“ ist ein klasse Tabak, ein Virginia, leicht aromatisiert, der sicherlich eine kleine Spur Perique beinhaltet. Ohne Frage eine Empfehlung, wobei sich die Frage stellt, ob man ihn wirklich braucht, wenn der jetzt mehrmals genannte „Marlin Flake“ bereits in der Tabakbar steht. Ähnlich verhält es sich übrigens auch mit der Hausmarke „Flake 4“ von Pfeifen Kargl in Recklinghausen, der ebenfalls, wenn überhaupt, mit marginalen Unterschieden aufwartet. 

 

Zusatz im April 2013: Auch der "Tosch Flake - Golden Cut" ähnelt dem "Marlin Flake" verblüffend. 

 

Montag, 16. Januar 2012

Davidoff - Scottish Mixture

Wenn ich mich schon an einen Aromaten dran wage, dann sollte ich mich  von Beginn an bemühen, nicht die Objektivität zu verlieren. Ich glaube, dass mir das im Fall „Scottish Mixture“ von Davidoff ganz gut gelungen ist, was wohl in erster Linie daran liegt, und deswegen auch gleich ein Fazit vorweg, dass ich nicht im Aromatensumpf versunken bin. Und schon das alleine reicht, um einem Totalverriss zu entgehen, denn alles andere ist und bleibt Geschmackssache. In der „Scottish Mixture“ entdecke ich hauptsächlich dunkle und helle Virginias und ich meine, dass auch etwas Burley hinzu gefügt wurde, was ich allerdings eher aus meinem Geschmackserlebnis folgere, als das ich es wirklich weiß. Doch dazu später!

 
Öffnet man die, wie ich finde sehr edel aussehende Dose, dann strömt einem ein süßlicher, deutlich bemerkbarer, nicht einzuordnender Geruch entgegen. Was immer das sein mag, die Chemie hat ihren Auftrag sehr zufriedenstellend erledigt. Machen wir uns nichts vor: Ein Tabak mit Apfelaroma ist nicht gesünder als eine kräftige Latakiamischung, weil sie mehr Vitamine enthält! Der Tabak befindet sich stark ineinander gepresst in der Dose und vermittelt ein ansprechendes Tabakbild. Die „Scottish Mixture“ lässt sich problemlos in die Pfeife stopfen, was natürlich der Schnittbreite geschuldet ist, allerdings muss man den Tabak mit etwas Feingefühl entnehmen und auflockern, um so die richtige Menge für die Füllung zu erhalten. Das Anzünden funktioniert ebenfalls völlig problemlos. 


Nach dem Anzünden spürt man das beigefügte Aroma, und wie so oft, bleibt vom eigentlichen Tabakgeschmack wenig bis gar nichts übrig. Aber die Aromatisierung empfinde ich als sehr angenehm, wenn es mir auch nicht gelingt, mich in eine bestimmte Richtung festzulegen. Wenn also hier jemand von einem etwaigen Whiskey-Aroma spricht, dann möge er das tun. Wahrscheinlich ist das die Legitimation dafür, diesen Tabak als „Scottish Mixture“ zu bezeichnen, mehr aber auch nicht. Ansonsten würde ich die Geschmacksrichtung als überdeckend, aber auch zurückhaltend bezeichnen. Da nicht zu aufdringlich, klebt einem auch nicht die Schnauze zu. Und nun noch einmal zum Burley: Etwas nussig finde ich den Geschmack schon, was mich eben auf die dezente Dreingabe von etwas Burley schließen lässt. Aber möglicherweise liege ich damit auch vollkommen daneben. Noch einmal zu betonen, dass man die „Scottish Mixture“ langsam verkonsumieren sollte, halte ich für überflüssig. Ein gedrosseltes Tempo sorgt für ausreichend Kühle. Der Schnitt ist hierfür geeignet. Und ist man dem etwas längeren Rauchgenuss, auch mit einem aromatisierten Tabak, nicht abgeneigt, dann empfiehlt sich auch hier die Benutzung eines größeren Pfeifenkopfes, denn das Aroma kann sich so viel besser entfalten. Besonders für Filterraucher! Leicht ist diese Mischung ohnehin, nichts für Leute, die etwas mehr Bumms im Kocher favorisieren.

Fazit: Der derzeitige Preis von immerhin € 12,- ist und bleibt für MICH ein viel zu hoher Preis. Ob der Name Davidoff mit bezahlt wird, kann ich nicht beurteilen. Fakt ist aber auch, dass ich zu dem Schluss komme, dass es sich um einen hochwertigen Tabak handelt. Die Verarbeitung ist tadellos, kaum Staub und keine Stränge in der Dose. Wer die „Danish Mixture“ vom gleichen Hersteller mag, sollte die „Scottish Mixture“ durchaus auch mal probieren. Wenn schon einen Hocharomaten, dann auch mal diesen hier. Die Raumnote ist übrigens gut!

Donnerstag, 12. Januar 2012

E.O. Wilson - Ameisenroman - Raff Codys Abenteuer

Der junge Raphael Semmes Cody hat von klein auf nur einen Wunsch, nämlich sein Leben als Biologe zu bestreiten. Diese Begeisterung rührt von seiner Heimat im Süden der USA, dem Nokobee. Eine noch unberührte Landschaft, mit teilweise unerforschten Pflanzen und Tieren. Schön früh erkennt der Bursche, dass die heutige Gesellschaft und ihre politischen, vor allen Dingen lobbyistischen Verflechtungen dazu führen werden, dass sich profitgierige Unternehmen daran versuchen, sich das Land unter den Nagel zu reißen. Auf Anraten seines Onkels schreibt sich „Raff“ an der Eliteuniversität in Harvard in Cambridge ein und studiert Jura. Er erkennt, dass er nur als Jurist für Umweltangelegenheiten eine Chance hat, das heimatliche Land in seiner Natürlichkeit zu belassen. Und so entbrennt ein taktisches Drahtziehen zwischen den Interessengruppen, gespickt mit klugen vorausschauenden Gesprächen und sonstigen Maßnahmen, die möglicherweise zum Erfolg führen können. Immer aus der Sicht des jeweiligen Interessenverbandes. Insofern bietet uns der Autor ein gutes Stück amerikanische Politik, wenn auch hier in der Hauptsache auf lokaler Ebene. 

 
Apropos Autor: Edward Osborne Wilson, der zahlreiche und bedeutende Beiträge zur Evolutionstheorie geschrieben hat, präsentiert uns in seiner Eigenschaft als Spezialist für Ameisen und den Pheromonen in einem 90-seitigen Exkurs das Leben dieser Insekten, ihr Sozialverhalten, den Auf- und Niedergang eines ganzen Volkes. Das Ganze ist für den „normalen“ Leser so leicht nachvollziehbar und spannend zugleich, so dass man niemals das Gefühl bekommt, dass sich  dieser Roman in ein Sachbuch verwandelt. Spannend und überzeugend! Mit der Frage: Können Umweltschutz und kommerzieller Fortschritt miteinander einher gehen?

Der „Ameisenroman“ ist Gesellschaft, ein wenig Politik, es ist ein Krimi und zeitweise ein kurzweiliger Thriller, der im Hintergrund immer das Biogische mit sich führt. Das liest sich einfach und unterhaltsam. Da leuchtet schnell ein, warum dieses Buch so lange auf der Bestsellerliste der New York Times stand.


ISBN-10: 3406621988
ISBN-13: 978-3406621987
432 Seiten
erschienen am 19. September 2011
C.H. Beck