Balvenie

Balvenie

Dienstag, 3. Juni 2014

Bernard Minier - Kindertotenlied

Ein 90-jähriger, ehemaliger Professor an einer Eliteuniversität im französischen Marsac beobachtet auf einem Nachbargrundstück, wie in einem Swimmingpool zahlreiche Puppen treiben und am Beckenrand ein junger Mann reglos sitzt. Die Terrassentür steht offen und aus dem Wohnraum erklingt die Musik von dem österreichischen Komponisten Gustav Mahler. Wenig später erhält Martin Servaz von der Kripo Toulouse einen Anruf von seiner Ex-Geliebten. Ihr Sohn Hugo sei von der Polizei verhaftet worden. Am Tatort findet die Polizei in der Badewanne die tote und gefesselte Claire Diemar, eine 32-jährige Lehrerin. Im Mund der Getöteten steckt eine Taschenlampe, die den Mundraum ausleuchtet. Und mit der Musik von Gustav Mahler drängt sich Martin Servaz ein furchtbarer Verdacht auf. Ist der Psychopath und Mörder Julian Hirtmann wieder da und setzt seine Serie von Verbrechen fort?

Von Beginn ist der zweite Roman von Bernard Minier sehr atmosphärisch, die Stimmung ist düster, dicht, beklemmend und geladen, es knistert. Es herrscht stets starker Regen, Blitz und Donner liegen in der Luft, es ist schwül und heiß. Es findet zur Zeit der Handlung die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika statt und die französische Nationalmannschaft macht mehr durch skandalöse Ereignisse anstatt guter sportlicher Leistungen auf sich aufmerksam. Minier erzeugt Spannung. Er gibt dem Leser Einblicke in elitäre, jugendliche Kreise, beschreibt einen aufstrebenden, moralisch weit unten anzusetzenden Politiker und leistet so auch ein Stück Gesellschaftsbeschreibung und -kritik.
Im Vordergrund steht aber ein ausgeklügelter Plott, bei dem es sehr lange dauert, bis der Leser ahnt, die Lösung des Falles zu erkennen. Zahlreiche Drehungen und Windungen im Handlungsstrang machen Lust darauf, immer weiter zu lesen. Da stört es kaum, dass auch übliche Klischees eingebracht werden, wie z.B. einen ermittelnden Polizisten, der rechtlich nicht immer sauber vorgeht und somit interne Ermittlungen gegen sich auf den Plan ruft, dessen unbeirrt er die Aufklärung des Falles ohne Rücksicht auf Verluste weiter betreibt.
Alles in allem ein spannender und sehr lesenswerter Psychothriller. Da stören immer wieder auffindbare Floskeln wie "Wenn es der, der sitzt, nicht war, dann läuft da draußen gerade ein Irrer 'rum" oder ein platter Satz wie "sollte die Information heraus kommen, ginge diese schneller an die Presse als Usain Bolt über 100 Meter benötigt" kaum. Letzterer ist vielleicht auch nur eine schlechte Übersetzung ins Deutsche.

ISBN-10: 3226199807 
ISBN-13: 978-3426199800  
656 Seiten
erschienen am 03. Februar 2014
übersetzt von Thorsten Schmid
Droemer Verlag

Freitag, 18. April 2014

Kargl - Flake #3

Fast jedes „wirkliche“ Pfeifen- und Tabakfachgeschäft bietet Hausmarken an. Das suggeriert, dass man den Genusskunden in den aller meisten Fällen ernst nimmt. Bei Kargls in Recklinghausen ist das wohl so. Sehr erfreulich, dass sich in der naturnahen Nische ein Virginia-Flake findet. Lt. Beschreibung „mit zarten Zitrusanklängen, köstlich verfeinert mit einem milden Aroma von Waldhonig und reifer Orange“.

Nicht nur das Aussehen, sondern auch die angekündigten Zitrusnötchen erinnern an den „Golden Sliced“ von Orlik. Ein herrlicher, ganzer und mittelbrauner Strang befindet sich in der Dose. Zuletzt hatte ich so etwas bei der „Nr. 300“ von Kärnbach in Berlin bekommen. Ob es sich jetzt dabei um ein und denselben Tabak handelt, kann ich nicht mehr feststellen. Das weiß wohl nur der Hersteller.


Mit der bekannten Stopfmethode geht es los, aus der Dose kommen heuige Düfte und ein klein wenig Säure. Schon mit den ersten Zügen bin ich mir nicht wirklich sicher, ob es sich ausschließlich um Virginia-Tabake handelt. Neben der nicht zu aufdringlichen Süße verspüre ich ein Kribbeln auf der Zunge, leichtes piecken, mit einer ganz leichten Säuerlichkeit. Ähnlich wie beim „Golden Sliced“ etwas Perique? Ich weiß es nicht, aber ich würde drauf wetten. Falls nicht, dann ist es die Kunst des Tabakmeisters. Waldhonig und Orange? Nun, ich kann es erahnen, wenn ich die Pfeife erneut anzünde bzw. sanft nippe. Ohnehin fordert Kargls „Flake 3“ Aufmerksamkeit und verhaltenes Ziehen.

Wenn man das beherzt, dann bekommt man einen sehr soliden und mundigen, ganz, ganz leicht aromatischen Virginia-Fake, der den Gaumen schmeichelt und den Flakefan begeistert. Kein ganz leichter Bursche... das geht etwas über „mittelstark“ hinaus. Rauchen tue ich diesen Flake aus eher kleineren Köpfen und stets mit Filter. Qualitativ absolut hochwertig. Und wer zu Kargl hinein geht, ein Freund naturnaher Flakes ist, der zur Abrundung ein klitzekleines Aroma zulässt, der nimmt sich mindestens ein Döschen mit nach Hause. Klare Empfehlung... auch für den „Golden Sliced“-Raucher!


Samstag, 12. April 2014

Kargl - Hausmarke #13

Tief im Westen, nämlich in Recklinghausen, wird bei Pfeifen Kargl Genuss groß geschrieben. Vater Karl und Sohn Christopher haben sich seit ewig den Wünschen ihrer Kunden verschrieben. Man würdigt die Tradition, aber man geht auch mit der Zeit. Wer nicht vor Ort einkehren kann, der stöbert dann im ebay-Shop des Hauses. Es ist nur die logische Folge, dass Pfeifen Kargl auch eine Menge an Hausmischungen bereit hält. Die meisten dürften von Kohlhase & Kopp hergestellt sein. Da gibt es inzwischen eine großartige Range, über die man sich zunächst über einen professionell gestalteten Flyer informieren kann. Und man sieht schnell, dass für jede Geschmacksvorliebe etwas dabei ist.


Die „#13“ ist laut Beschreibung „ein mittelkräftiger Virginia und Broken Virginia mit einer Zitrusnote, angenehm abgerundet durch ein mild-liebliches Honig-Aroma“. Auch wenn die gebrochenen Flakestückchen sensationell in der Unterzahl sind, darf man der Prosa vollkommen zustimmen. Der Duft des überwiegend gerissenen Blattguts ist virginia-typisch heuig und dezent säuerlich. Das Tabakbild zeigt einen zumeist mittelbraunen Tabak, durchsetzt mit ein paar helleren Streifen. Perfekt konditioniert ist die Pfeife leicht gestopft. Es ist eine naturnahe Mischung, die genannte Zitrusnote kann man getrost als obligatorisch bezeichnen und das (angeblich) hinzu gefügte Honigaroma kann man insofern vernachlässigen, als es vermutlich eher zur Stabilisierung des Gesamtcharakters dient. Allerdings ist der Charakter stimmig. Wenn der Kopf nicht zu klein ist, dann öffnen sich feinste Virginia-Aromen. Mild, süßlich, sanft zur Zunge und Gaumen. Wer hingegen wie ein Ochse an der Pfeife zieht, bekommt halt heiße Finger, obwohl der Geschmack auch dann nicht einbricht. Von daher ist die „#13“ auch einsteigerfreundlich.

Und so raucht sich eine Füllung völlig unkompliziert runter, das Ganze in der Tat mittelstark, gleichbleibend und kontinuierlich im Geschmack, bis im Boden nichts als dunkelgraue Asche übrig bleibt. 18,10,-- EURO sind es, die man derzeit für 100 g auf den Tisch legt. Die sind gut angelegt, für einen unaufgeregten, aber qualitativ mehr als soliden Virginia. Insbesondere für den Einsteiger naturnaher Tabakmischungen, fern ab von künstlichen Aromen, zu empfehlen.



Montag, 24. März 2014

Butera - Royal Vintage - Golden Cake

Oh ja, lang fermentierte, gereifte Virginias... genau das ist es, was der Virginia-Liebhaber, der Freund der naturnahen Tabake liebt und stets sucht. Da wird man in den USA zwangsläufig fündig. Als ich zum ersten Mal Buteras „King Fisher“ geraucht habe, da wusste ich noch gar nicht, dass hinter dem Namen Butera mal wieder McClelland steht. Das merkt man spätestens, wenn beim Öffnen der Dose ein Ketchup- und Säureduft in die Nase steigt. Es macht aber auch keinen Sinn, dauerhaft darüber nachzudenken, um was für ein Aroma es sich dabei handelt. Es ist schlicht kein Aroma, sondern wohl die Art und Weise, wie die Amerikaner ihre Tabake in den Dosen länger haltbar machen. Und McClelland packt von diesem Haltbarkeitszeug ungeahnte Mengen rein.


Spaßig wird es also erst dann, wenn der Tabak gelüftet wurde und die Nase freien Zugang zum Tabak bekommt. Unter dem Pseudonym „Royal Vintage“ hält Butera eine ganze Palette an reifen Virginias bereit. „Golden Cake“ heißt dieses Exemplar hier. Ein Broken Flake, mittel- bis dunkelbraun, ein Augenschmaus. Auffällig ist allerdings, dass die Flakestückchen sehr dick sind. Das kann zu Frust führen. Denn ist die Pfeife nicht wirklich sorgfältig gestopft, dann macht die Füllung keinen Spaß. Zu unregelmäßig brennt der Tabak in der Folge runter. Deswegen ist der Golden Cake von seiner Handhabung wohl eher nichts für Anfänger.


Beim Rauchen findet man eine milde Süße. Eine dezente Nussigkeit und ein kleines bisschen Zitrus gibt es dazu. Allerdings nur dann, wenn man den „Golden Cake“ ohne Filter raucht. Ansonsten ist die Bezeichnung „solide“ vielleicht genau der treffende Ausdruck für das, was der Pfeifenraucher hier erfährt. Keine Geschmacksexplosionen im positiven Sinn, kein besonders abwechslungsreiches Raucherlebnis. Einfach nur schlicht, für manche einfach nur das, was der Virginia-Freak liebt. Ich persönlich mag es hingegen etwas aufregender.

Zuletzt bleibt dann dunkelgraue Asche übrig und im Raum findet sich eine markante Note. Virginia eben. Zu Beginn war ich etwas euphorischer. Ohne Frage ein qualitativ hochwertiger Tabak, der mir im täglichen Gebrauch leider etwas zu viel Aufmerksamkeit abverlangt. Ich bin auf die anderen „Royal-Vintage“-Tabake gespannt.


Freitag, 7. März 2014

ASIA - Gravitas

ASIA veröffentlichen am 21. März ihr neues Album "Gravitas". Ich habe in die Promo rein gehört. 


Trotz einer großartigen Besetzung mit Carl Palmer (dr), John Wetton (bs) und Geoffrey Downes (kb) sind sie seit langem dem Progressive Rock entrückt. Aber ASIA hatten in der jüngsten Vergangenheit immer mal wieder wirklich gute und melodische Songs geschrieben. Und jetzt?? Eine Frechheit, eine Peinlichkeit... Steve Howe (gt) hat die Band verlassen, über den Ersatz schweige ich. Auf "Gravitas" befinden sich ausschließlich schwache und langweilige Songs, wirklich jede Komposition ist eine Katastrophe. Ist das der endgültige Abgesang???? Es ist nicht zu glauben!!

Samstag, 1. März 2014

Davidoff - Danish Mixture

Tabake von Davidoff und Dunhill haben an sich mehrere Gemeinsamkeiten. Sie sind recht teuer und sie sind von guter Qualität. Der Rest ist dann Geschmackssache. Auch im Bereich der Aromaten hält Davidoff was erstaunlich Gutes für uns bereit. Neben der durchaus schmackhaften „Scottish Mixture“ gibt es da noch die „Danish Mixture“. In der Hauptsache besteht die Mischung aus Virginias und Burley, dazu eine Prise Black Cavendish.


Den Duft aus der Dose als angenehm zu bezeichnen wäre untertrieben. Eine Spur Tabak und ein liebliches, sehr angenehmes Aroma schmeicheln die Nase. Es fällt schwer, sich auf eine Duftnote festzulegen. Der Ribbon Cut ermöglicht ein unkompliziertes Stopfen. Frisch aus der Dose kann der Tabak etwas feucht sein, dennoch gibt es für gewöhnlich mit dem Anzünden der Pfeifenfüllung keinerlei Probleme.


Tja, und dann folgt für Freunde, die nicht ausschließlich auf Kuhmist stehen, ein betörender, leicht aromatischer Rauchgenuss. Das bedeutet, dass der gute Tabak zum Zug kommt, aber dass da auch ein, wie ich finde, fulminantes Aroma mit spielt. Manche sprechen von Butterplätzchen. Da ich nicht der Naschkönig bin, lass ich das einfach mal so stehen. Mir schmeckt dieses Aroma auch. Ich kann es nicht definieren, es erscheint mir in der Tabakgilde einzigartig und lässt mich genießen.

Das Beste an dieser Komposition ist, dass der Tabak bis zum Ende durch schmeckt. Er baut nicht ab, er verzeiht ein Nachzünden, ist leicht bis mittelstark und hinterlässt dazu eine angenehme Raumnote. Die „Danish Mixture“ ist also in jeder Hinsicht gesellschaftstauglich. Kaum zu glauben, wenn es Pfeifenraucher gibt, die diesen Davidoff noch nicht probiert haben. Aber falls doch, dann garantiere ich, dass der Kaufpreis in Ordnung geht. Ein superber Aromat!


Freitag, 21. Februar 2014

Arnaldur Indridason - Duell (Island-Krimi)

Wer Fan von Arnaldur Indridason ist und bis zum letzten Fall gerne die Ermittlungen von Kommissar Erlendur verfolgt hat, der kann sich jetzt eventuell die Tränen aus den Augen wischen. Denn es gibt von Indridason einen neuen Kommissar, Marian Briem, und somit eine neue Serie, die mit dem Titel „Duell“ startet. Dabei handelt es sich nicht um eine Story im wilden Westen, in der ein paar schießwütige Halunken die Hauptrolle spielen, sondern um einen typisch gewohnten Indridason-Island-Krimi. Allerdings: Das Ganze zu Zeiten des Kalten Krieges zwischen Ost und West. Womit wir dem Begriff „Duell“ schon ein anständiges Stück näher kommen.

Die isländische Hauptstadt Reykjavik steht im Jahr 1972 fast Kopf. Man befindet sich auf dem Höhepunkt der Vorbereitungen für das „Match des Jahrhunderts“, ein „Duell“ am Schachbrett zwischen dem amtierenden russischen Schwachweltweltmeister Boris Spasski und seinem amerikanischen Herausforderer Bobby Fisher. Da wird in einem kleinen Kino während einer schwach besuchten 17-Uhr-Vorstellung ein 15-jähriger isländischer Junge aus unerklärlichen Gründen durch Messerstiche getötet. Von den Tätern fehlt jede Spur, ebenso ist das Kassettenaufnahmegerät des Opfers mit seinen Tonträgern verschwunden. Motiv? Unklar, somit Fehlanzeige! Und es stellt sich die Frage, ob es sich um ein Kapitaldelikt mit provinziellem Charakter handelt, oder ob nicht doch ein internationaler Interessenkonflikt dahinter steckt.
Der zeitliche Hintergrund verdeutlicht: Die olympischen Spiele in München stehen unmittelbar bevor, das Bier am Tresen ist immer noch verboten und ein gewisser Erlendur Sveinsson hat gerade bei der Verkehrspolizei angeheuert. Die Kripo in Reykjavik ist spärlich ausgerüstet und noch nicht in der Lage, wichtige kriminaltechnische Untersuchungen selbständig und ausschließlich im eigenen Land durchzuführen. Keine automatischen Abgleichsysteme, kein Handy und kein Internet. Und doch ist klar: Die Spionage gehört mit zum ältesten Gewerbe der Menschheit.
Die vom Autor geschaffene Atmosphäre ist grundsätzlich wieder recht düster gehalten, sowie bedrückend und ein bisschen beklemmend. Island, die „Insel am Rande der bewohnten Welt“, auf der sich jeder duzt. Der Leser wird im Laufe der Geschichte an den neuen Hauptprotagonisten heran geführt. Es dauert eine Weile, bis zunehmend klar wird, dass Marian Briem ein gewiefter, bissfester Ermittler ist, für den die mit Idealismus behaftete Lösung des Falles wichtiger ist, als alles andere. Noch ist er kein Spielball der Politik. Er ist einsam, und wie die zeitlichen Rückblenden im Roman zeigen, von einer nicht ganz einfachen Kindheit gezeichnet.
Duell“ ist ein gelungener, spannender und ein sich gegen Ende immer mehr verdichtender Einstieg in eine neue Serie. Nicht reißerisch, sondern mit Gespür und Logik, gelingt es Arnaldur Indridason, den Leser an das Geschehen zu binden. Er lüftet, gut dosiert mit immer neuen Hinweisen, ein Geheimnis, was nicht vorhersehbar ist. Ein raffinierter Plot, auch heute noch vorstellbar, zu Zeiten des Kalten Krieges vielleicht sogar an der Tagesordnung. Unterhaltsam und lesenswert!

ISBN-10: 3785724837
ISBN-13: 978-3785724835
428 Seiten
erschienen am 17. Januar 2014
übersetzt von Coletta Bürling
Bastei-Lübbe Verlag

Donnerstag, 13. Februar 2014

DTM - Die Ocean Liner Serie

Diese wunderschönen Bildchen, die man auf den Dosen der Ocean Liner-Serie von DTM sieht, blinzeln mich schon seit geraumer Zeit aus dem Katalog heraus an. Unschwer ist zu erkennen, dass es sich bei den Motiven um die Dampfschifffahrt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts dreht. Diese Serie, mit vier aromatischen Tabaken, findet sich seit dem Jahr 1997 im Programm von Dan Pipe. Anfangs noch in echten Schmuckdosen, welches durch die eingeführten Warnaufkleber sein Ende fand, kann man die Tabake seit dem Jahr 2000 so wie abgebildet erwerben. Für alle vier Mischungen zeichnet Jürgen Westphal verantwortlich. Hin und wieder findet man noch einen Hinweis darauf, dass es sich um fünf Tabake in dieser Tabak-Linie handelt. Der fünfte im Bunde WAR ein naturnahe Virginia-Mixture, die aber thematisch nicht passte und deswegen aus dem Ocean-Liner-Programm raus genommen wurde. Im Übrigen wurde diese Mischung nie wieder aufgelegt, auch nicht unter anderem Namen.

American Line – Flake & Cavendish


Man findet in dieser Mischung helle und mittelbraune Virginias, vereinzelt kleine Flakestückchen und natürlich Black Cavendish. Der Duft ist süßlich, man spürt ein klares, nicht aufdringliches Vanille-Casing. Wie die anderen Mischungen auch, lässt sich der Tabak leicht und unkompliziert in die Pfeife einbringen. Im Geschmack findet sich ein süßlicher Vanille-Aromat, wobei der Tabak nicht wie zu gekleistert wirkt. Auch die natursüßen Virginias dürfen und sollen im Gesamtgeschmack noch ein Wörtchen mitreden. Leicht bis mittelstark, und im Raum macht sich eine angenehme Raumnote breit. Ehrlich gesagt: Mir schmeckt dieser Vanille-Aromat genau so, wie er schmecken soll. Ein Leckerchen.... sehr gut gelungen!

Mail Steamers To New York – Black & Gentle


In der Hauptsache handelt es sich um einen dunklen Black Cavendish, der optisch mit etwas hellem, goldfarbenen Virginia aufgemotzt wurde. Der Duft ist fruchtig, im Hintergrund schwingt etwas liebliches mit, was aber irgend wie undefinierbar erscheint.Im Geschmack verdrängt dann die angebliche und deklarierte Kokusnote das Fruchtige. Und das ist gut so. Ein Hauch von Karibik-Feeling soll vermittelt werden, da kann man sich gedanklich drauf einlassen. Es wirkt alles sanft und schmeichelnd. Und ganz wichtig: Das Aroma ist toll und es erschlägt einen nicht. Dieser Tabak gefällt mir persönlich noch ein kleines bisschen besser als der „American Line“. Ein echtes Nachmittagsschmankerl, gemütlich mit einer Tasse Kaffee rauchtechnisch zum naschen und hochwertigem Aromaten genießen. Die Raumnote ist auch hier deutlich und angenehm, allerdings anders als beim „American Line“ kann man sich hier durchaus die Frage stellen, was es denn ist, was hier so angenehm riecht.

Süd-Brasilien-Linie – Sweet & Easy


Ein höher anteiliger Virginia, gerissen, mit einem recht hohen Anteil von Black Cavendish. Es findet sich ein sehr ansprechendes Tabakbild Der Duft ist fruchtig, sehr fruchtig sogar, mit einem Hauch von Vanille. Im Geschmack sehr angenehm, obwohl ich nicht verorten kann, um welche Früchte es sich handelt. Ein Verdacht auf Banane? Klingt gewagt, ohne Zweifel. Oder ist es doch die Vanille? Auf jeden Fall behält das Fruchtige gegenüber der Vanille die Oberhand. Auch hier höchstens leicht bis mittelstark dürften die Früchtefans eher hier zugreifen. Im Raum? Aromatisch... auch nicht unangenehm!

Deutsche Ost-Afrika-Linie – Black & Bright


Hier gibt es helle und rötliche Virginias, gepaart mit Black Cavendish. Und der Duft? Sehr fruchtig.... sehr beerig. An sich ein sehr ausgewogener Geschmack, wenn ich mal davon absehe, dass ich nicht der Früchtefan im Tabak bin. Tropisch verspricht die Beschreibung. Aber irgendwie habe ich im Gefühl, ohne dass ich es weiß, dass mich in dieser Richtung vielleicht TIMM'S „Caribbe Cocktail“ mehr an macht. Den habe ich allerdings noch nicht geraucht. Für mich persönlich wohl der Schwächste in dieser Tabak-Linie, aber: Alles Geschmackssache!!

Für alle Ocean-Liner-Mischungen empfehle ich größere Köpfe, damit sich das Aroma etwas ausbreiten und so seine Wirkung zeigen kann. Alle Tabake sind qualitativ sehr hochwertig, bei denen sich ein Freund von aromatischen Mischungen im Grunde genommen nur DIE Geschmacksrichtung heraus suchen muss, die ihm am meisten liegt.


Dienstag, 11. Februar 2014

Joël Dicker - Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Marcus Goldman, ein junger, aber schon sehr erfolgreicher Schriftsteller, der in New York lebt und seines Ruhmes frönt, hat im Grunde nur zwei bemerkenswerte Probleme. Erstens, er hat keine Freundin und zweitens, er sitzt, geknebelt durch einen Vertrag mit seinem Verlag, in der Schreibfalle. Das bedeutet, dass er eine Schreibblockade hat und bis auf weiteres, sehr zum Leidwesen seines Verlegers Roy Barnasky, keinen neuen Roman zu Papier bringt. Da kommt der Kontakt zu seinem ehemaligen Mentor, Harry Quebert, vielleicht gerade recht.
Der ebenfalls erfolgreiche Schriftsteller und Professor lebt in dem kleinen amerikanischen Städtchen Aurora in New Hampshire und hat allerdings ein noch viel größeres Problem. In seinem Garten hat man soeben die Überreste der vor 33 Jahren verschwundenen, damals 15 Jahre alten Nola Kellergan gefunden. Bei der Leiche liegt das originale Manuskript von Queberts Beststeller „Der Ursprung des Übels“. Als Quebert zugibt, dass er damals als erwachsener Mann eine Art Liebesaffäre mit dem damals minderjährigen Mädchen gehabt hat, wird er verhaftet und wegen Mordes angeklagt.
Der einzige, der zu ihm hält, ist Marcus Goldman, der von der Unschuld seines großen Vorbildes überzeugt ist und deswegen auf eigene Faust anfängt, in diesem Fall zu ermitteln. Ganz nebenbei sind seine Ermittlungen der Stoff und Inhalt seines neuen Romans.

Das mag in der Beschreibung des Inhalts nach einer Spur von Klamauk klingen, ist es aber ganz und gar nicht. Der schweizerische, französisch sprechende Autor Joël Dicker hat hier einen Plot geschmiedet und dann offensichtlich fröhlich drauf los geschrieben. In ständigen Zeitraffern, hin und her, wird der Leser Zeuge von dem, was sich im Jahr 1975 wirklich zugetragen hat. Dabei werden die Wahrheiten scheibchenweise gelüftet, in Teilen aus verschiedenen Perspektiven der Protagonisten sogar mehrfach beschrieben, immer bis zu einem geeigneten Punkt, an dem eine Wendung im Fall angebracht scheint. Das ist unterhaltsam, manchmal spannend, allerdings nach über 700 Seiten auch überreizt. Spätestens dann sollte der Leser genug von den ganzen Drehungen und Windungen haben. Man möchte aufschreien und sagen „Jetzt ist es aber gut, raus mit der Sprache. Was ist denn nun die Wahrheit?“.
Es ist eine Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte und auch ein Stück Gesellschaftsroman. Hinter der augenscheinlich glücklichen, aber dünnen Fassade des Kleinstadtbürgertums treten zahlreiche persönliche Tragödien zum Vorschein. Zwei Menschen, die einsam sind. In der heutigen Moderne bedeutet das tausende virtuelle Facebook-Freunde, aber keinen Einzigen zum Telefonieren. Ein Lehrer und ein Schüler, die beide durch Hochstapelei zu vermeintlichen „fabelhaften“ Stars wurden? Ein Provinzpolizist, der im wahrsten Sinn des Wortes über die Stränge schlägt. Erwachsene Männer in der High Society, die sich an minderjährigen Mädchen vergreifen? Männer, deren Mütter auf der anderen Seite fehl gelenkt sind und für die der Begriff „prüde“ vollkommen untertrieben wäre? Eltern in einem amerikanischen Kleinstadtmilieu, mit rassistischen Fantasien bei der Auswahl des Bräutigams für ihre Töchter.
Das Ganze liest sich locker weg, zwischen den Seiten 300 und 600 etwas zu langatmig, dafür aber auf der Zielgeraden mit rasantem Tempo und nochmals überraschenden, aber nachvollziehbaren Wendungen. So ein bisschen drängt sich mir allerdings die Frage auf, was denn nun der eigentliche Auslöser dafür war/ist, dass dieser Roman so ein großartiger Verkaufsschlager wurde. Am meisten muss man Joël Dicker wohl dafür danken, dass es ihm gelungen ist, endlich „Shades of Grey“ von der Bestsellerliste zu vertreiben. Eine Großtat! Ansonsten lautet auch meine Empfehlung: Lesen, sich recht ordentlich unterhalten fühlen, zuklappen und anschließend verschenken. Denn „man liest es kein zweites Mal“ (Elke Heidenreich im Literaturclub). Ein typischer, amerikanischer Unterhaltungsroman, von einem Europäer geschrieben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gut, aber überbewertet!


ISBN-10: 3492056008
ISBN-13: 978-3492056007
736 Seiten
erschienen am 13. August 2013
übersetzt von Carina von Enzenberg
Piper Verlag

Donnerstag, 6. Februar 2014

Cornell & Diehl - Manhattan Afternoon

Ich bin zwar nicht beim ADAC beschäftigt, aber dennoch muss ich etwas zurück rudern. Als ich den „Manhattan Afternoon“ von Cornell & Diehl vor kurzem zu einem meiner Tabake des Jahres 2013 gekürt habe, da bin ich sehr großzügig über etwas hinweg gegangen, was mich inzwischen doch zunehmend stört. Nein, nein, es bleibt dabei, dass es sich um eine Köstlichkeit handelt, bei der ich mir allerdings wünschte, dass dieses kleine Manko nicht vorhanden wäre.


Aber von vorne: Mittelbraune Slices, perfekt geschnitten und konditioniert, finden sich in der schmucken Dose. Ich mag die Dosenaufdrucke der Amerikaner, mit viel Fantasie, nie zu übersehen, dass das Pfeife rauchen eben nicht stocksteif und einer besonders illustren Gesellschaft vorbehalten ist, sondern für Jedermann einen Spaß bieten kann, wenn man denn auf den Genuss ausgelegt ist. Der Duft in der Dose ist grundehrlich, tabakecht, obenauf eine dezente Süße. Könnte ein ganz leichtes Flavour sein, denn dieser Flake wird mit einer Honignote beschrieben.


Für einen Flakeraucher ist die Pfeife mit etwas Übung leicht zu stopfen, das Anzünden gestaltet sich nicht schwierig. Achtung, Virgnia! Langsam rauchen, sonst kann der „Manhattan Afternoon“ auch nicht sein wunderbares Aroma entfachen. Er ist mittelstark und bietet im Geschmack reichlich, obwohl die zurückhaltende Natursüße für mich vom Honigflavour nicht ganz so leicht zu unterscheiden ist. Und um es auch ganz deutlich auszudrücken: Dieser Flake zählt zu den eher naturbelassenen, das ist keinesfalls ein hoch aromatischer Tabak.

Zum kleinen, aber deutlich spürbaren Manko: Ab der Hälfte der Füllung verändert sich der Geschmack. Das vermeintliche Honig-Flavour ist urplötzlich weg. Unter gewissen Umständen nicht weiter schlimm, denn ein naturnaher, reiner Virginia hat oftmals seine Vorzüge. Doch was nun übrig bleibt, ist zwar wahrlich nicht schlecht, aber auch nicht so sensationell, dass es mich mit angezündeter Fackel durch die Gemeinde rennen lässt. Der Flake raucht sich mit mäßiger Süße ohne weitere Highlights bis zum Ende.

Ich komme schließlich zu dem Schluss, dass es sich bei dem „Manhattan Afternoon“ um einen absolut soliden und schmackhaften Burschen handelt, der, würde er geschmacklich bis zum Ende auf einem gleichbleibenden Niveau bleiben, ein Highlight allererster Güte wäre. So ist er „nur“ gut und durchaus interessant. Zumindest während der ersten Hälfte der Füllung!


Freitag, 31. Januar 2014

Huber - Virginia N° 7

Das Münchener Traditionshaus Huber bietet eine Vielzahl von verschiedenen Virginia-Mischungen an, die es dem „naturnahen“ Freund ermöglichen, sein Heil zu finden. Dazu muss man sich natürlich ein wenig Zeit nehmen und ein Döschen nach dem anderen durchrauchen. Ich bin momentan beim „Virginia N° 7“, einer Mischung aus einem ready rubbed Virginia, etwas Black Cavendish und einem Broken Virginia. Die Beschreibung passt, so wie versprochen findet man es in der geöffneten Dose vor.


Der Duft ist leicht heuig, etwas frühlingshafte Wiese, blumig und dezent süßlich, ein wirkliches Top-Flavour ist nicht feststellbar. Die gerissenen Blätter sind unterschiedlich breit, so dass man beim Befüllen der Pfeife eventuell etwas sondieren sollte, um möglichst problemlos das gleichmäßige Entzünden des Tabaks zu ermöglichen.

Ein etwas größerer Kopf sollte es schon sein, denn der Tabak hält klar definierbares bereit. So schmeichelt er durchaus an Zunge und Gaumen mit seiner natürlichen Süße, neigt dabei aber niemals zur Übertreibung. Ein unaufdringlicher Bursche, wie man ihn mag. Aber Vorsicht: Die Pfeife braucht Aufmerksamkeit, die „N°7“ ist nicht für nebenbei geeignet, sei es an der Schreibmaschine mit dem Rauchgerät im Mundwinkel zwischen den Zähnen oder gar auf einem Spaziergang im Freien mit beiden Händen in der Jackentasche. Er wird heiß, was dem „Nebenherraucher“ nicht gefallen wird. Dann hilft wirklich nur ein mehrmaliges Ablegen und Abkühlen lassen. Das wiederum geht ohne Probleme, der Tabak schmeckt auch nach mehrmaligem Anzünden.


Viel mehr gibt es zu dieser Mischung dann auch nicht zu sagen. Grundsolide, mit den beschriebenen Eigenschaften. Geschmacklich ein guter Einsteiger für die Aromatenfreaks, die mit der naturnahen Süße eines Virginias so noch nicht vertraut sind. Die Jungs und Mädels, die sich vorzugsweise ohnehin in diesem geschmacklichen Bereich herum treiben, werden möglicherweise zu dem Schluss kommen, dass der „Virginia N°7“ sicherlich seine Qualität hat, im Übrigen dann aber vielleicht doch zu wenige Ecken und Kanten zeigt. Man könnte es in so einem Fall auch als „nett, aber nicht besonders umwerfend“ bezeichnen.

Nicht besonders stark, recht helle Asche zurück lassend und mit einem virginia-typischen Raumduft freue ich mich schon auf die nächste Huber-Virginia-Mischung. Ich sage auch grundsolide, aber wirklich nicht ganz leicht zu rauchen. Preislich gesehen kommt der „Virginia N° 7“ dann allerdings doch mehr als solide daher.


Montag, 27. Januar 2014

Stephen King - Doctor Sleep

Eines ist verständlich: Wenn „Doctor Sleep“ als die Fortschreibung von „Shining“ angekündigt wird, dann provoziert das infolgedessen den Vergleich (Burkhard Müller in der Zeit v. 07.11.2013). Nach dem Lesen des neuen King weiß ich, dass man „Doctor Sleep“ nicht als bloße Fortschreibung ansehen darf. Zwischen „Shining“ und jetzt liegen über 35 Jahre, in denen nicht nur der kleine Danny Torrance erwachsen geworden ist, sondern auch der Autor älter und reifer. Zudem ist eine Veränderung und Entwicklung des Schriftstellers nicht zu übersehen. Und das ist gut so.

Die Handlung setzt drei Jahre nach der Explosion und der völligen Zerstörung des Hotel Overlook ein und vollzieht infolge mehrere Zeitsprünge, in denen Dan Torrance von einem aufgeweckten, mit „Shining“ ausgestatteten Jugendlichen zu einem Trinker und Landstreicher „avanciert“. Völlig dem Alkohol verfallen landet er in einer Kleinstadt, wo Danny als Mitglied der Anonymen Alkoholiker trocken wird, in einem Hospiz als Sterbegeleiter arbeitet und zudem für seine Tätigkeit liebevoll „Doctor Sleep“ genannt wird. Er hat sich also zum Positiven verändert, mit seinen hellseherischen Fähigkeiten ist er allerdings noch immer ausgestattet, ebenso kann er telepathisch kommunizieren.
Nicht weit entfernt wohnt ein Mädchen mit ein- und denselben Fähigkeiten namens Abra Stone. Dessen „Shining“ ist noch stärker, schon als Kleinkind lässt sie mit Gedankenkraft ein Klavier ertönen und Löffel von der Decke fliegen. Durch eine Tafel, die sich von Geisterhand mit Schriftzeichen füllt, machen Danny und Abra miteinander Bekanntschaft.
Und dann gibt es da noch den sog. „Wahren Knoten“, eine mörderische Sekte, deren Mitglieder man landläufig als Touristen bezeichnen würde und die mit ihren Wohnmobilen durch die USA reisen. An der Spitze der Gemeinschaft steht als Anführerin „Rose the hat“. In Wahrheit handelt es sich bei den Mitgliedern um nahezu Unsterbliche, die sich vom letzten Lebenshauch eines sterbenden Menschen, der das „Shining“ besitzt, ernähren. Ihre Nahrung nennen sie „Steam“ und um daran zu kommen, werden sie zu bestialischen Mördern.
Als Abra Stone mit ihren Fähigkeiten hinter das Schicksal von Bradley Trevor, einem jungen Baseballspieler, kommt, beginnt ein Katz- und Mausspiel zwischen Rose und Abra, in dessen Verlauf Danny immer weiter mit hinein gezogen wird…
Nun, Stephen King und seine „Horror“-Geschichten haben auch mich in jungen Jahren begleitet, einige Romane von ihm sind mir noch in Erinnerung und haben durchaus einen bleibenden Eindruck hinterlassen. „Shining“ aus dem Jahr 1977 und die Verfilmung von Stanley Kubrik 1980 sind für „Doctor Sleep“ nicht mehr als das Fundament. Während der Erstling auf viel Düsternis, Horror und Psycho setzte, so scheint in „Doctor Sleep“ mehr die Fantasy eine wichtige Rolle zu spielen. Spannend sind beide Romane, ganz ohne Frage. Betrachtet man inhaltliche Ausschnitte, so kann man den Eindruck gewinnen, dass es für Stephen King ein sehr persönliches Buch geworden ist. Die Anonymen Alkoholiker und ihr detailliertes 12-Punkte-Programm stammen ebenso aus dem Leben von Stephen King, wie das im Roman erworbene Kokain.
Gerade bei Fortsetzungsromanen mit großer zeitlicher Differenz spielen nur allzu oft auch monetäre Gründe eine große Rolle. Für „Doctor Sleep“ und Stephen King, auch wegen dessen Popularität, halte ich dies allerdings für abwegig. Man kann dem Autor also glauben, dass Fans und Leser, aber auch er sich selbst, oft fragen, was denn wohl aus dem kleinen Danny Torrance im Laufe der vielen Jahre geworden ist. Die Frage beantwortet King auf alle Fälle. Der Leser erfährt darüber hinaus, was aus dem Hotelkoch Hallorann geworden ist und welches Schicksal Dannys Mutter Wendy genommen hat. Und ein paar alte bekannte Geister dürfen sich auch noch mal sehen lassen, bevor sie in geistigen Schubladen für immer verschwinden. Ein sprachliches Wunderwerk war nicht zu erwarten und ehrlich gesagt auch nicht notwendig. Aber „Doctor Sleep“ ist spannend. Auch wenn so manche Passage für den einen oder anderen Leser etwas langatmig erscheinen dürfte und ein geübter King-Fan wohl einiges als Vorhersehbar bezeichnen wird, so habe ich nach vielen Jahren King-Abstinenz wieder viel Spaß und Freude beim Lesen von „Doctor Sleep“ gehabt.

ISBN-10: 3453268555
ISBN-13: 978-3453268555
706 Seiten
erschienen am 28. Oktober 2013
übersetzt von Bernhard Kleinschmidt
Heyne Verlag

Dienstag, 14. Januar 2014

HU-Tobacco - Geniet Moment

Drei Forumtabake sind es geworden, die Hans Wiedemann, alias HU-Tobacco, auf den Markt geworfen hat. Dabei ist neben einer englischen Mischung mit Latakia und einem Virginia-Perique-Flake auch eine aromatische Mischung entstanden. Für das holländische Pfeifenforum PRF konzipiert, können diese drei Kompositionen selbstverständlich im Shop von Hans Wiedemann geordert werden.


Die Mischung ist überwiegend schwarz (Black Cavendish), ein paar helle Farbtupfer verleiht zugegebener Virginia. Das wertet die ganze Geschichte optisch auf. Der Duft aus der Dose macht Hoffnung. Chemisch riecht hier nichts, ganz im Gegenteil. Sehr angenehm in der Nase spürt man ein dezentes, süßliches Aroma. Das Einbringen in die Pfeife geht sehr einfach vonstatten.


Noch im Anzündvorgang, also beim ersten Ziehen, kommt mir der Tabak eher etwas fruchtig vor, bevor dann eine Art von ganz dezenten und lieblichen Röstaroma zum Vorschein tritt. Schnell wird klar: Wenn man die Vorzüge dieser Mischung genießen will, dann braucht man Zeit. Eine zu schnelle Zugfrequenz wird nicht belohnt, viel mehr driftet der Tabak dann in die völlige Belanglosigkeit ab. Zieht man nur mäßig stark und dazu langsam, dann verspürt man das gesamte Rauchopfer über eine leichte Vanillenote und ein doch ordentlich spürbares Kaffeearoma. Einzig, der beigefügte Burley und die von mir damit verbundene und erwartete Nussigkeit hätte etwas deutlicher ausfallen können. Da ich den „Geniet Moment“ allerdings mit Filter rauche, könnte das vermisste Aroma ohne Filter evtl. zu finden sein. Andererseits sollen sich die Aromen in ihrer Gesamtheit zu einem angenehmen Geschmacksbild formieren.

Besonders stark ist der „Geniet Moment“ nicht, er raucht sich ziemlich bequem herunter, im Kopf bleibt dunkelgraue Asche übrig. Den Raumduft kann man als gut bezeichnen. Von den drei Tabaken, die für das holländische Pfeifenforum entstanden sind, halte ich persönlich den „Geniet Moment“ nicht für den genialsten. Das mag aber auch an meiner Vorliebe für Tabake der naturnahen Richtung liegen. Und den latakiahaltigen „Brullende Leeuw“ hätte ich aufgrund mangelnder Erfahrung gar nicht beurteilen können. Also: Ein netter Begleiter über den Tag, vorzugsweise zu einer guten Tasse Kaffee am Nachmittag. Qualitativ sehr gelungen, aber wahrscheinlich, auch mit dezenten Aroma, eher etwas für die Süßmäuler. Die, allerdings, können damit sehr zufrieden sein.

Mittwoch, 8. Januar 2014

DTM - The Jolly Joker

Auf dem Papier befindet sich  der Winter schon in der Halbzeitpause und der ist in unseren Gefilden in diesem Jahr noch gar nicht richtig aus den Startlöchern gekommen. Trotzdem freue ich mich, heute über MEINEN persönlichen Lieblings-Wintertabak zu schreiben. Zumindest, wenn dieser aus der Aromatenecke kommt. In der Szene, in der ich mich rum treibe, scheint mir der „Jolly Joker“ von DTM etwas unterrepräsentiert. Vielleicht liegt das aber auch an meinem eigenen Geschmack, der ja nicht zwangsläufig jedermann gut zu Gesicht stehen MUSS.


Ich habe schon viele Saison-, Jubiläums- und Weihnachtstabake geraucht. Bei keinem der Exemplare habe ich so ein wunderbares Marzipan- und Schokonussaroma zuerst in der Nase und anschließend am Gaumen gespürt. Die überwiegend auf Black Cavendish und etwas Burley basierte Mischung ist sehr dunkel, die paar kleinen, helleren Stückchen vom Virginia dürften wahrscheinlich nur optisch eine Rolle spielen. Perfekt geschnitten und perfekt konditioniert ist der „Jolly Joker“ superb in die Pfeife einzubringen. Das Entzünden erledigt sich fast wie von selbst.


Neben den genannten Marzipan- und Schokonussaromen habe ich den Eindruck, das auch ein Hauch von Vanille im Spiel ist. Klar, da wurde kein Lübecker Streifen und auch kein Alpenriegel zerkleinert und beigegeben. Es sind die Mittelchen, die uns hier ordentlich etwas vorgaukeln. Das allerdings in Perfektion. Es ist für mich ein leichter Tabak, sanft zur Zunge. Als gewohnter Filterraucher geht der „Jolly Joker“ bei mir auch ohne Probleme ohne Aktivkohle. In beiden Varianten raucht sich das Kraut gemütlich und aromatisch runter. Ein größerer Kopf ist empfehlenswert.

Auch ansonsten ist dieser Tabak nicht besonders kompliziert. Er kann, wie jeder andere auch, beim heftigen Ziehen heiß werden, aber das ist an sich nichts besonderes. Er verzeiht aber viel. Lässt man die Pfeife abkühlen und entzündet neu, dann nimmt er seine Aromen wieder auf. Er schmeckt bis zum Ende auf fast gleichbleibenden Niveau, was bei einem stärker aromatisierten Tabak keinesfalls usus ist. Die Raumnote ist deutlich spürbar, aber auch die ist nicht die Unangenehmste. Und zuletzt: Der Dosenaufkleber ist auch der HAMMA!!!!